Gègè Russo

Ich habe immer gewusst, dass Kunst mein Weg sein würde. Schon als Kind war sie mein Zufluchtsort, meine Sprache, mein Atem. Meine Sicht auf die Welt war anders – eine eigene, verborgene Welt, die nur darauf wartete, sich auszudrücken. In der Schule zog es mich immer zu den Wänden. Sie waren für mich leere Leinwände, warten darauf, mit meinen Gedanken, meinen Farben, meinem Innersten gefüllt zu werden. Die Wandmalerei war von Anfang an meine grosse Liebe. Einen Ladeneingang, eine Fensterfront, ein Wohnzimmer oder ein Schlafzimmer zu gestalten – das ist für mich wie das Komponieren eines Musikstücks. Jede Linie, jede Farbe ist eine Note, und meine Hände sind die Musiker. Im Laufe meines künstlerischen Schaffens durfte ich verschiedene Techniken entdecken, erforschen und meistern. Doch wenn ich male, denke ich nicht nach – ich lasse geschehen. Es
ist ein Tanz zwischen mir und dem Material. Ich arbeite intuitiv, finde Schönheit in dem, was vergessen wurde, und gebe Dingen, die als nutzlos gelten, ein zweites Leben.
In meinen Arbeitsvideos kann man diesen Prozess sehen – das Entstehen eines Werkes aus dem reinen Gefühl heraus. Ich habe nie aufgehört, in mir selbst nach neuen Ausdrucksformen
zu suchen. Besonders liebe ich es, wenn mir ein individuelles Werk anvertraut wird – wenn ich völlige Freiheit bekomme, mich einzufühlen, zu spüren, wer mir gegenübersteht. Es ist eine stille Verbindung, ein Dialog ohne Worte. Ein Symbol zieht sich durch all meine Werke: eine feine, fliessende Linie. Sie ist der unsichtbare Faden, der meine Emotionen mit dem Kunstwerk verwebt. Sie macht das Verborgene sichtbar – die stille, aber spürbare Verbindung zwischen Gefühl und Form.


Meine Kunst ist mein Weg, Emotionen zu teilen, sie greifbar zu machen. Wenn du dein
Innerstes in dein Schaffen legst, wenn du mit ganzem Herzen dabei bist – dann hast du bereits gewonnen.


Ich habe viele künstlerische Phasen durchlebt, viele Wege ausprobiert. Doch heute weiss ich:
Ich bin genau dort angekommen, wo ich immer sein wollte.
Eine Künstlerin.

Gègè  Russo